Alte Brennerei
Hier wurde früher Schnaps gebrannt. Kurz nach der Wende brannte die Brennerei ab. Bisher gibt es noch keine Zukunftsaussichten für das zerstörte Gebäude.
Hier wurde früher Schnaps gebrannt. Kurz nach der Wende brannte die Brennerei ab. Bisher gibt es noch keine Zukunftsaussichten für das zerstörte Gebäude.
Vor der Wende wurde hier Landwirtschaft betrieben und das VEG (Volkseigene Gut) war der größte Arbeitgeber im Dorf. Als die Mauer fiel, sanken die Absatzpreise und die Beschäftigten konnten nicht mehr bezahlt werden. Das Gut musste 1991 schließen, seitdem verfällt das ehemals so prunkvollen Gutshaus. Noch sind die Besitzansprüche nicht geklärt, viele Kaufanfragen wurden abgelehnt. Zurzeit gehört es rechtlich der Stadt Berlin, die es an Privatpersonen verpachtet. Ein Reiterhof soll dort entstehen.
Eine Anwohnerin meint:
„Wir wollen, dass es ruhig bleibt. Eine Einrichtung zur Altenbetreuung wäre schön, da wir im Dorf viele Rentner haben, die sonst nach Berlin in ein Altersheim müssen."
Die Stolper Dorfkirche ist nicht nur das älteste Gebäude Stolpes, sondern auch eines der ältesten Brandenburgs. Sie wurde um 1250 erbaut und 1999 renoviert. Nachdem sich herausstellte, dass die Krone, die Kugel und der Stern auf dem Kirchturm früher vergoldet waren, stiftete nach einem Aufruf ans Dorf der Kupferklempner die Restaurierung der Dekorationen. Immer wieder finden neben Gottesdiensten spannende Konzerte in der Dorfkirche statt.
www.dorfkirchestolpe.de
Der Gasthof zur krummen Linde hat in den letzten 250 Jahren viel erlebt. 1761 als Gasthof erbaut und genutzt, wurde er nach dem 2. Weltkrieg von der Polizei bezogen und erst kurz vor der Wende wiedereröffnet. Die „Krumme Linde“ ist nun, wie schon früher, ein Restaurant für Berliner Tagesgäste. Der Gasthof lockt durch seine rustikal inszenierte und noble Ausstattung. Stolper trifft man hier kaum.
Seit 2003 gehört Stolpe zu Hohen Neuendorf. 2005, im 99. Jahr ihres Bestehens, wird auch die Stolper Feuerwehr nach Hohen Neuendorf eingegliedert.
Ein Anwohner erinnert sich:
„Am Anfang waren es 20 freiwillige Feuerwehrmitglieder, am Ende verblieben zwei und die gingen nach Hohen Neuendorf.“
Ein Anwohner erinnert sich:
„Die Grenzer und Arbeiter des Guts trafen sich früher im „Dorfkrug“. Der Betreiber war ein Alteingesessener. Auch heute treffen sich hier vor allem die Alt-Stolper Bürger.“
Ein Bewohner erklärt:
„Wir sind hierhergezogen, wegen der Nähe zu Berlin. Wir kennen viele Leute in der Siedlung und fühlen uns als Gemeinschaft. Golf gehört nicht zu meinen Hobbies.“
Von 1994 bis 1998 entstand die Siedlung „Stolper Heide“. Damals hat sich die Gemeinde dafür entschieden, anstatt eines Freizeitparks einen Golfplatz zu bauen. So wurde Lärmstörung ausgeschlossen, die Fläche grün gehalten und die Bauern konnten für gutes Geld ihr Land verpachten. So zogen alle ihren Vorteil daraus. Allerdings ist dieses Vergnügen zu teuer für viele DorfbewohnerInnen.
Wo früher die Grenze war, endet heute der Golfplatz. (Quelle: altes S/W-Foto entnommen: www.flickr.com/photos/m-joedicke/3279720256/)
Ein Anwohner erinnert sich:
„Wenn man mit dem Traktor auf die Felder im Grenzgebiet wollte, kam ein Mann mit der Waffe, setzte sich hinten drauf und schützte die DDR vor dem Verlust eines Bürgers.“
„Die Bushaltestelle war früher hier oben, am Dorfanger. Aber als dann der neue Dorfteil dazu kam, gab es einen Streit, wer die Bushaltestelle bekommt. Für beide Teile war sie sehr wichtig. So einigte man sich auf eine Bushaltestelle zwischen dem alten und dem neuen Teil.“
Dies ist das einzige leerstehende Wohnhaus in Stolpe. Wegen der Nähe zu Berlin ziehen nur wenige von Stolpe weg, denn auch der neue Golfplatz lockt viele BesucherInnen und neue Mieter von nah und fern. Weiterhin besteht eine ländliche Atmosphäre in Stolpe. Gute Freizeitmöglichkeiten, wie der Reiterhof und der Mauerradweg, sind für das Dorf wichtig. Viele Stolper arbeiten in Berlin und Umgebung und freuen sich über die gute Verkehrsanbindung. So wuchs die Bevölkerung von Stolpe seit der Wende fast auf das Doppelte.
Ein Anwohner erinnert sich:
„Was früher der Treffpunkt des Dorfes war? Na früher war es der Dorfkrug, heute ist es das Bürgerhaus.“
Von der Stolper Grundschule ist heute nichts mehr zu sehen, nur ein Schild weist auf die frühere Nutzung hin. Heute fahren die Stolper Kinder nach Hohen Neuendorf zur Schule.
„Was sich für uns Reiter in Stolpe nach dem Mauerfall verändert hat? Früher mussten die Kinder nur eine Mark zahlen, um am Unterricht teilnehmen zu können, heute ist es um einiges teurer, leider!“
Die Wiedervereinigung feierten auch die Menschen in Stolpe. 20 Jahre danach hat sich das Haus im Hintergrund kaum verändert.
„Sozialer Treffpunkt? Nee, den gibt’s heute eigentlich nicht mehr. Früher trafen wir uns im Konsum.“
„Nach der Wende kam Spar, aber jeder, der einen fahrbaren Untersatz hatte, fuhr woanders hin zum Einkaufen. Spar war einfach zu teuer.“
Stolpe ist doch ein ganz normales Dorf! So dachten die 13 SchülerInnen der 9./10. Klasse des F.F.-Runge-Gymnasiums aus Oranienburg, bevor sie als Dorfreporter in Stolpe (Hohen Neuendorf) auf historische Spurensuche gingen. Durch die Lage Stolpes nahe der Grenze zu Westberlin hatten Mauerbau und Mauerfall erheblichen Einfluss auf das Dorf und seine BewohnerInnen. Die Veränderungen des Brandenburger Dorfes in Grenznähe, die heute noch sichtbar sind, waren Gegenstand einer historischen Reportage.
Im Rahmen eines Workshops des Institut für angewandte Geschichte, der am 23. und 24. September 2011 in Stolpe stattfand, wurden die SchülerInnen in einer „Journalisten-Schule“ zu Dorfreportern ausgebildet. Die jungen ReporterInnen kartografierten zunächst das Dorf: Das Alter der Häuser, der Wandel der Bebauung vor und nach 89 und die veränderte Nutzung durch Betriebe und Geschäfte bis heute, sind auf der Karte gut zu erkennen. Die SchülerInnen fotografierten zudem die verschiedenen, sich verändernden Zentren des Dorfes in den letzten 40 Jahren – von den zwei Gasthöfen bis zum ehemaligen Volksgut. In Einzelinterviews und einem öffentlichen Pressegespräch befragten die Dorfreporter die BewohnerInnen von Stolpe, sammelten deren Geschichten und Anekdoten aus DDR- und Nachwendezeit. Persönliche Bewertungen, Probleme und Wünsche entwarfen schlaglichtartig ein überraschend vielfältiges und spannendes Bild der verschiedenen Facetten Stolpes und dem Leben seiner BewohnerInnen.
Die Ergebnisse der Reportage präsentieren wir in dieser historischen, interaktiven Karte Stolpes, die mehr zeigt, als auf den ersten Blick zu sehen ist. Hinter den nummerierten Punkten auf der Karte verbergen sich die Geschichte(n) Stolpes in Text und Bild, verfasst, gesammelt und fotografiert von den Dorfreportern. Zur Einordnung der kurzen Geschichten werden die Texte durch weiterführende Links ergänzt.
| Ein Projekt des Institut für Angewandte Geschichte | |
| Gefördert durch die Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung |
<< SEITE 1/2 >>
Projektleitung: Maria Hiebsch
Kontakt: m.hiebsch@instytut.net
Workshopleitung: Maria Hiebsch, Stephan Felsberg
ReferentInnen: Charlotte Sattler (Fotografie), Ute Dolezal (Kartografie)
TeilnehmerInnen: Max Briese, Janik Gerisch, Ying Han, Christiane Holzhauer, Hannah Krüger, Philipp Lorenz, Annika Pleßke, Sarah Pohl, Florian Probst, Lloyd Rowlands, Philipp-Richard Schulz, Erik Stolz, Nick Tilahun, begleitet von Birgit Ehrig
Dank: Wir möchten uns bei allen Stolpern bedanken, die das Projekt unterstützten, uns sehr herzlich aufnahmen und so offen ihre Erinnerungen mit den Dorfreportern teilten. Besonderer Dank geht an Herrn Dr. Vogel, Herrn Birkner, Herrn Hupke, Ehepaar Wolf, Ehepaar Possehl sowie Erika Matthes und den Stolper Landfrauenverein.
Rechte: Die Rechte an den Fotos wurden nach bestem Wissen angegeben. Wer seine Rechte dennoch berührt sieht, wende sich bitte an info@instytut.net.
<< SEITE 2/2 >>
Herausgeber:
Institut für angewandte Geschichte
Schiffbauerdamm 15
D-10117 Berlin
Tel: +49 (0)30 5446 5150
c/o Europa-Universität Viadrina
Große Scharrnstraße 59
D-15230 Frankfurt (Oder)
Kontakt:
Geschäftsführung: Stephan Felsberg | s.felsberg@instytut.net
Projektkoordination: Maria Hiebsch | m.hiebsch@instytut.net
Verantwortlich für den Inhalt:
Maria Hiebsch
Redaktion:
Stephan Felsberg, Maria Hiebsch
Technische Realisierung:
Uwe Korn
Freiberuflicher Informatiker
www.virtuell-real.de
Design:
die superpixel GbR
– Büro für Grafik-Design und Illustration –
Nadja Epperlein + Theresa Haufe
www.diesuperpixel.de
Entwurf Logo:
Juan Pablo Diaz
Entwurf Karte:
Ute Dolezal